Blog-Monetarisierung: Dürfen Blogger kein Geld verdienen?

MonetarisierungWährend die Amis seit Jahren mitunter richtig böse mit ihren Blogs verdienen, scheint unter deutschen Bloggern immer diese „Ein Blog darf kein Geld verdienen“-Stimmung zu herrschen. Warum eigentlich? Warum darf ein Blogger mit seiner Seite keinen Umsatz machen? Hier gibt’s Contra(s)!

Ich muss mir das einfach mal von der Seele reden, weil diese Meinung auch wieder breit in Martins Blogparade „Blogs versus Social Media“ vertreten wurde: Blogs sollen doch bitte nicht den Fokus auf das Thema Geld verdienen legen. Weil nämlich…

a) die Leser das prompt merken,
b) der Content wegen der vermeintlichen (Geld)Fokussierung schlecht ist und
c) die Leser schließlich ausbleiben, was wiederum
d) die Aufgabe des Blogs bedeutet!

Aha. Echt jetzt? Nee, so nicht. Zu a) kann ich ja vielleicht – vielleicht – noch zustimmen, aber schon bei b) stellt sich bei mir ein belustigtes Kopfschütteln ein. Gerade wenn ich als Blogger mit meinem Blog Geld verdienen will, MUSS ich hochwertigen, bei Newsseiten sogar ständig aktuellen Content liefern. Hier liegt meiner Meinung nach die Crux begraben: Es gibt immer wieder ein paar Möchtegerns, die meinen, schnell mal was hinklieren, Adsense drauf und gut ist. Das funktioniert schon lang nicht mehr.

Mittlerweile ist die Konkurrenz so groß, das gerade ein Blog zum einen aktuell sein, zum anderen dem Leser einen Mehrwert (News, Informationen, Bilder, Videos, Zahlen) bieten muss. Wenn der Blogger das beherzigt, für Marketing/Werbung sorgt und vor allem Biss zeigt, dann klappt das auch mit dem Geld verdienen. Letzten Endes ist doch nichts schändliches dabei, wenn ich meinen Blogs ein paar Euro verdienen oder sogar davon leben will.

Zumal der Leser ja wohl eher selten direkt zur Kasse gebeten wird, auch wenn in letzter Zeit so mancher (große) Dienst auf Abo-Pflicht umstellt. Doch auch das sehe ich weder als Schande noch als Problem, schließlich gibt es die Tageszeitung morgens zum Frühstück auch nicht zum umsonst. Das Problem scheint viel eher, das der User und damit auch Blogger glauben, das im Internet alles umsonst sein muss, weil es schon immer so war. Doch auch das ändert sich mehr und mehr, ich sage nur kostenpflichtige Musik-Downloads.

Mal Abo-Seiten außen vor, was bitte spricht gegen die Monetarisierung eines Blogs? Nichts, absolut gar nichts! Wer den Aufwand und die ARBEIT betreibt, muss sich doch wohl nicht dafür schämen müssen, Geld mit seiner Seite zu verdienen. Zumal das Geld in der Regel über Werbepartner eingespielt wird, egal ob via Banner, Link oder Text. Der Content bleibt für den Besucher kostenlos, trotzdem steckt bei einem guten (Fach)Artikel mitunter richtig Arbeit dahinter.

In den Staaten ist die Einstellung längst nicht mehr verpönt, doch auch hier gibt es immer mehr Blogger, die von ihrer Arbeit leben können, gerade weil sie guten Content liefern. Ich behaupte sogar, das ein – ich sage mal – Profi-Blogger besseren Content liefert als ein Hobbyblogger, weil er sich einfach mehr rein hängt, mehr Zeit investiert, mehr auf Grammatik und Rechtschreibung achtet und schließlich im Fazit seine Miete von seiner Bloggerei zahlen muss.

Bei den vielen „Oh, böse, ein Blog darf kein Geld verdienen, sondern muss ein reines Hobby sein“-Gegensprechern finde ich obendrein immer eines kurios: Die vielen kleinen Werbebanner in der Sidebar. Jetzt mal ehrlich: Wenn Euer Blog kein Geld verdienen soll, wenn der geächtete Schotter nicht in Eurem Fokus steht, dann lasst doch bitte auch jede Art von Werbung weg. Kein Banner, kein Adsense, keine Empfehlungen oder sonst was.

Nicht falsch verstehen: Ich freue mich über jeden Blogger, der mit seiner Arbeit – und ein wirklich guter Blog IST Arbeit – seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Wenn es Hobby ist, auch okay, aber auch ein Hobby-Blog kann gutes Geld verdienen. Über eine Bloggerparade bin ich beispielsweise gerade auf blogverdiener.de gestoßen, dessen Autor im Januar knappe 700 Euro einnehmen konnte. Und jetzt der Hammer für all die netten „Oh-ich-will-gar-kein-Geld-verdienen“-Blogger: Blog-Betreiber Sascha hatte im Januar einen schlechten Monat, der Umsatz liegt somit in der Regel höher.

Auch selbstaendig-im-netz.de nannte vor kurzen die Umsätze einiger englischer Blogs, die mitunter mehrere Tausend Dollar im Monat machen. Statt „böse böse“ und „pfui“ sage ich da „Glückwunsch, gut gemacht“. Ganz offen: Ich WILL mit meinen Blogs ebenfalls Geld verdienen, trotzdem und sogar gerade deswegen steht der Leser und somit guter Content im Vordergrund, sonst funktioniert die Idee aus ganz logischen Gründen nicht.

Es ist ja vollkommen okay, wenn einer rein aus Spaß bloggt und kein Geld verdienen will. Aber dann doch bitte ohne Banner hier und Banner da und und und. Ansonsten ist das für meinen Geschmack einfach pure Heuchelei, wobei ich am schlimmsten immer diese Spenden-Buttons empfinde. Spenden sind was für Hilfsorganisationen (dann okay), aber doch nicht für einen Blog – Hobby oder nicht.

Wenn ich dann noch solchen Blödsinn höre wie „Na ja, ich will wenigstens meine Hostingkosten reinbekommen“, also, dann muss ich wirklich lachen. BLOGGERaktuell kostet im Jahr knappe 18 Euro, inklusive 100 MB Webspace, zwei (de)Domains, Datenbank und Traffic-Flat. Was bitte sind 18 Euro? Richtig, Taschengeld!

So, meinen Frust habe ich mir nun von der Seele geredet und damit soll’s das auch erst mal gewesen sein. Es soll sich bitte keiner angegriffen fühlen, aber ich bin selbständig und kein Hartz-IV-Empfänger, also vertrete ich ganz klar die Meinung: Blogs dürfen erstens Geld verdienen und zweitens darf Geld auch im Fokus stehen. Auf jeden Fall werden künftig hier einige Ideen zur Monetarisierung eines Blogs vorgestellt, manche wie Adsense werden sicherlich jedem längst bekannt sein, andere vielleicht (noch) nicht. Also, bis dahin…

5 Antworten auf Blog-Monetarisierung: Dürfen Blogger kein Geld verdienen?

  • JA GENAU SO IST ES!

    Danke, dass Du das hier so offen & deutlich schreibst.

    Ich mache mir mit meinem Blog viel Arbeit, wieso soll ich also dafür kein Geld erhalten? Die Leser arbeiten ja auch nicht umsonst, oder?

    Gute Nacht
    Heike

    • Hallo Heike,

      eben drum. Kein Fleischer, kein Maurer, kein Banker macht seinen Job aus Spaß, sondern für Geld. Warum sollen wir Blogger eine Ausnahme machen?

  • Update: Irgendwie waren die Links zu blogverdiener und selbstaendig-im-netz verschwunden, das habe ich nun fix nach getragen…

  • Hallo Dennis,

    erst mal danke für deinen Hostingtipp. Dein Artikel ist sensationell ehrlich. Mit meinem Blog verdiene ich zwar kein Geld, weil er tatsächlich eher als Ausgleich gedacht ist. Jedoch schreibe ich auch woanders Artikel, mit denen ich durchaus Geld verdiene und diese auch genau deswegen schreibe.

    Lg Jana

  • Ein toller Artikel und deine Meinung teile ich auch. Mit Blogs sollte es schon möglich sein, Geld zu verdienen und ich sehe es auch nicht so eng. Wenn man überlegt welche Arbeit dahintersteckt, wenn man 2-3 Blogartikel tagtäglich herausbringt, ist also dann der Bloggewinn der Dank dafür. Natürlich sind auch Blogkommentare der Dank dafür, aber nicht nur.

    Ich verdiene auch ein bisschen was, es war schon mal mehr und ich wünsche mir, meine Blogeinnahmen zu steigern. Aber an den Artikeln wird sich dabei nichts ändern und ich versuche nach wie vor, gut zu bloggen. Das Thema Geld verdienen mit Blogs sollte so langsam bei allen angekommen sein.

    Wieviele Blogs wünschen sich Einnahmen, aber schaffen es nicht, weil es eben nicht einfach ist. Also muss man besser werden und noch mehr und regelmässiger bloggen. Und das alles resultiert irgendwann mal in Arbeit, die auch letzten Endes belohnt werden könnte, durch Blogeinnahmen, Blogkommentare, Anfragen etc.pp.

Werbung
Werbung
Werbung
WordPress Hosting